Schüsseln, Schalen und Accessoires

Von der neuen Mode, Gäste zu bewirten

von Anna Strübel

Die 1950er Jahre stehen für eine große Aufbruchsstimmung, der Wiederaufbau war im vollen Gange und die Designer versuchten sich an neuen Formen. Neben dem Klassiker Nierentisch im Möbelbereich gab es neue Formen und Farben auch beim Geschirr.

In dieser Zeit kam eine neue Gesellschaftsmode auf, die bis weit in die 1970er Jahre hielt: man lud Gäste ein und bewirtete sie in den eigenen vier Wänden. Ein Effekt des Wirtschaftswunders war der steigender Wohlstand und eine stetig sich verbessernde Lebensmittelversorgung mit immer exotischeren Nahrungsmitteln. Was in den unmittelbaren Nachkriegsjahren noch nicht möglich gewesen war, wurde nun nach der Zeit des Mangels besonders zelebriert.

Mit dem Wirtschaftswunder wollte man den aufkommenden kleinen Wohlstand auch mit Freunden, Arbeitskollegen und nicht selten dem Vorgesetzten teilen. Damit stellte man seinen neuen kleinen Reichtum zur Schau, der sich auch in immer ausgefalleneren Gerichten (Toast Hawaii) und ungewöhnlichen Häppchen (Russische Eier) zeigte. Bei der Bewirtung legte die Hausfrau Wert auf besondere Speisen und die Optik der Präsentation.

Exponate

Servierschale in Gondelform

Schale in Form einer Gondel, um 1960, Privatbesitz München.

Henkelschale Bunte Blüte

Henkelschale, Edelstein Bavaria, Modell „Bunte Blüte“, 1950er Jahre, mittelfränkische Privatsammlung. Aus der Zeit der neuen Gastlichkeit stammt auch die hier gezeigte Schale mit einem plastikumwickeltem Peddigrohr-Griff. Sowohl die ungewöhnliche Form eines leicht abgerundeten Dreiecks, als auch die Art des Griffes sind für diese Zeit typisch. Wie ungezählte andere Schälchen, Schüsseln und Anreichgeschirre der Zeit wurde sie sicherlich für Konfekt, Gebäck oder die schon genannten kleinen Häppchen genutzt.