Heimkino

von Andreas Garitz

16 mm

Die Geschichte des privaten Filmens begann in den 20er Jahren. Wirklich populär und für weite Kreise erschwinglich wurden Kameras und Projektoren aber erst gegen Ende der 30er Jahre, als das 8mm-Format seinen Siegeszug antrat. Das 16mm Format, das es schon länger gab, hatte sich nicht so breitenwirksam durchsetzen können. Denn um sich so eine Ausrüstung leisten zu können, musste man sicherlich zu den wohlhabenderen Bevölkerungsschichten gehören. Privatfilme aus dieser Zeit stammen dementsprechend fast ausschließlich aus reichen Haushalten von Ärzten, Professoren oder Unternehmern.  

Später fand das 16mm Format vor allem im semiprofessionellen Bereich weiter Verwendung, so etwa bei den sogenannten Kulturfilmen (Vorfilme im Kino), bei Reportagen und bei einigen experimentellen Filmen der 50er und 6oer Jahre (direct cinema, cinéma vérité). Vor allem in den Bereichen, in denen man leichte und damit besonders handliche und flexible Kameras bevorzugte.

Außerdem werden viele, die in den 50er bis 70er Jahren zur Schule gingen, die ratternden Licht- und Magnetton-Projektoren noch sehr gut kennen, als naturwissenschaftliche Lehrfilme uns beibrachten, dass man auch mit dem eigentlichen spannenden Medium Film gähnende Langeweile auslösen kann.

8mm / Normal 8 / Regular 8 / Doppel 8

Eine der revolutionären Neuentwicklungen war die kompakte 8mm Filmkassette, wie sie Agfa ab 1937 anbot. Hierbei konnte eine fertige Metallkassette in die Kamera eingelegt werden, ohne dass es zu komplizierten Filmeinfädelprozeduren kam oder eine Dunkelkammer aufgesucht werden musste. Dieses 8mm Format war lange unter dem Namen Normal oder Regular 8 bekannt und wurde erst 1965 vom verbesserten Super 8 abgelöst, das bei gleicher Filmbreite mit kleineren Lochungen und größerer Bildfläche ausgestattet war und deswegen ein wenig mehr Auflösung bot. Bis weit in die 70er Jahre hinein existierte das Normal 8 Format noch parallel weiter. Viele Projektoren waren in dieser Zeit mit einer Umschaltfunktion ausgestattet, um die (beim Händler bzw. im Kopierwerk) entwickelten Filme beider Formate abspielen zu können.

Das sogenannte Doppel-8-System der 60er Jahre basierte auf dem herkömmlichen Normal 8mm Format. In der in die Kamera einzulegenden Filmkassette steckte allerdings ein 16mm breiter Doppelfilmstreifen, der durch Drehen der Kassette beidseitig belichtet werden konnte. Im Kopierwerk wurden die beiden Filmhälften dann getrennt und als Einzelfilmpositive in herkömmlicher Projektionsbreite ausgeliefert.    

Super 8

Im Jahr 1965 ersetzte das Super-8-Format den bis dahin gängigen Normal-8-Film. Die Vorteile lagen vor allem in der Verbesserung der Filmqualität. Unter anderem wurde die Perforation, die dem Transport des Filmstreifens in Kamera und Projektor dient, zugunsten eines erweiterten Belichtungsbereichs verkleinert.

In der Regel kaufte der Kunde kleine 3-Minuten-Filme, die dann später an der Klebepresse mit Filmkitt oder aber mit Klebestreifen zusammengeklebt und auf größere Rollen montiert wurden. Wollte man einen wirklichen Filmschnitt nach künstlerischen Gesichtspunkten bewerkstelligen, so bleib nur die Möglichkeit, mit viel Geduld einzelne Filmstreifen auszuschneiden und neu zusammenzufügen. Zur Kontrolle des geschnittenen Materials dienten externe, handbetriebene Betrachterapparate.

Während es Farbfilme bereits in den 30er Jahren gab, blieb die Ausstattung des Privatfilms mit Tonspuren bis in die 70er Jahre eher eine Ausnahme. Gängig war es ab den 1960er Jahren, dass separate Tongeräte wie Tonbänder oder später auch Kassettenrekorder synchron zu den Filmen abgespielt wurden, oder dass die Magnettonspuren des Filmmaterials mittels Überspielkabeln und Mikrophonen nachvertont wurden. Direkttonkameras, die authentischen Ton aufzeichnen konnten, kamen erst zu Beginn der 80er Jahre in Gebrauch.

Den Höhepunkt seiner Verbreitung erlebte der Super-8-Film um das Jahr 1979. Fast zeitgleich löste dann seit Anfang der 80er Jahre das aufkommende Videoformat (VHS) den belichteten Negativfilm ab. Obwohl die Qualität des Videosystems wesentlich schlechter war, hatte das neue Medium auch Vorteile, die bei den Verbrauchern zu Buche schlugen: Das Filmmaterial war billiger und erlaubte deutlich längere Aufnahmezeiten.